Der Zero Project Unternehmensdialog zeigte auf, dass die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung nicht nur ein Sozialprojekt ist, sondern vor allem auch wirtschaftliche Anliegen erfüllt.

Zero Project Unternehmensdialog
(v.l.n.r): Anton Kern (Geschäftsführer AMS Tirol), Dr. Marco Nicolussi (Geschäftsführer Arbeitsassistenz Tirol), KR Martin Essl (Stifter Essl Foundation und Gründer Zero Project), Dr. Karl Ischia (Obmann der Bezirksstelle Innsbruck, Wirtschaftskammer Tirol)

Am Mittwoch, dem 13. September 2017 fand in Innsbruck der erste Zero Project Unternehmensdialog zum Thema Vielfalt ist MehrWert: Beschäftigung von Menschen mit Behinderung – wirtschaftliche Vorteile statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung erfuhren UnternehmerInnen von anderen UnternehmerInnen, wie eine erfolgreiche Integration von Menschen mit Behinderung aussehen kann, was ausschlaggebende Schlüsselfaktoren sind und welche unterstützenden Rahmenbedingungen und wirtschaftlichen Vorteile es gibt.

Arbeitsmarktservice und Sozialministeriumsservice informierten über Förderungen, arbas – Arbeitsassistenz und Landesschulrat erklärten, wie Menschen mit Behinderung im dualen Bildungssystem aufgenommen und betreut werden. Unternehmen, wie die Firma Viking, die Gärtnerei Seidemann, die Geisterburg Hall und die Gemeinde Mieming erzählten die Thematik aus Arbeitgebersicht. Dabei wurden spannende Geschichten mit dem Plenum geteilt – zum Beispiel, dass ein gehörloser Analphabet im Service eines Restaurants sehr wohl arbeiten kann.
„Dass das Land Tirol die Schirmherrschaft über diese Konferenz übernommen hat zeigt, wie wichtig uns die Einstellung von Menschen mit Behinderung ist. Obwohl dieses Thema in die Bundeskompetenz fällt, sollen auch die Länder einen Beitrag dazu leisten. Denn Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf hätten ohne die Unterstützung des Landes keine Möglichkeit, am regulären Arbeitsmarkt teilzunehmen. Dabei ist das Projekt ‚mittendrin‘ von arbas richtungsweisend, das den Weg von der Schule in die Arbeitswelt bei jungen Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderungen begleitet und vom Land Tirol als Rehabilitationsmaßnahme gefördert wird“., so Fr. Landesrätin Dr.in Christine Baur.

Besondere Talente erkennen und einsetzen

Eine Behinderung ist lediglich ein Merkmal von vielen, die einen Menschen ausmachen. Sie bedeutet nicht automatisch eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit der betroffenen Person. Oft entwickeln Menschen mit Behinderung gerade wegen ihrer Einschränkung ganz besondere Fähigkeiten und Talente. So lassen sich etwa gehörlose Menschen durch Geräusche oder Lärm kaum aus der Ruhe bringen und können daher auch in einem hektischen Umfeld konzentriert arbeiten. Menschen mit Autismus hingegen haben eine besonders strukturierte Arbeitsweise, eine hohe Toleranz für Routinetätigkeiten und exzellentes analytisches Denkvermögen. All dies sind ideale Voraussetzungen für eine Karriere als Programmierer oder Softwaretester.

Eine Win-Win-Win-Situation

Durch die Integration von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt entsteht eine klassische Win-Win-Win-Situation für die Gesellschaft, das Unternehmen und den Einzelnen. Um für die Unternehmen die Einstellung von MitarbeiterInnen mit Behinderung so einfach wie möglich zu gestalten und etwaige Bedenken auszuräumen, bietet das Zero Project Netzwerk das erforderliche Know-How.

Veranstaltungsreihe Zero Project Unternehmensdialog

Um noch mehr Unternehmen über die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zu informieren, organisiert Zero Project sieben Unternehmensdialoge in den Bundesländern. Alle relevanten Stakeholder, EntscheidungsträgerInnen und UnternehmerInnen werden dort über bedeutsame und innovative Projekte und Entwicklungen diskutieren, die Menschen mit Behinderung besser in den Arbeitsmarkt integrieren. Eingebettet in die regionalen Rahmenbedingungen wird der Fokus anhand von Best-Practice-Beispielen auf Lösungen und Umsetzbarkeit liegen.
„Es ist unser Ziel, allen Menschen mit Behinderung die Möglichkeit zu geben, durch
eigene Arbeit, die auf ihre individuellen Fähigkeiten abgestimmt ist, ihr Einkommen zu verdienen“, sagt Martin Essl, Gründer der Essl Foundation und Initiator des Zero Project Unternehmensdialogs. „Dadurch erfahren sie Anerkennung und das Gefühl, gebraucht zu werden, was sich positiv auf ihr Selbstbewusstsein auswirkt. Aus meiner jahrelangen Erfahrung als Unternehmer weiß ich, dass diese Menschen sich auch durch vorbildliches Engagement, hohe Motivation und Loyalität auszeichnen.“

Über Zero Project

Das Zero Project ist eine Initiative der Essl Foundation, die sich weltweit für die Umsetzung der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung engagiert. „Zero“ steht dabei für eine Welt ohne Barrieren. Als Plattform analysiert und verbreitet das Zero Project vorbildliche Lösungen, die die tägliche Lebenssituation von Menschen mit Behinderung verbessern und ihre gesetzlichen Rechte stärken. In Zusammenarbeit mit über 3.000 ExpertInnen aus 180 Ländern werden jedes Jahr Best-Practice-Beispiele identifiziert, im Zero Project Report veröffentlicht und auf der Zero Project Conference vorgestellt. In einem Vierjahres-Zyklus werden zentrale Themen behandelt, 2016/17 sind es Beschäftigungsmodelle für Menschen mit Behinderung, 2018/19 ist es die Barrierefreiheit.